ICC Intl Cannabis Corp. – WRLD-U:CNX

ICC entstand im September 2018 aus der Kaneh Bosm BioTechnology Inc, die von Michael Martinz geführt worden war. ICC kaufte in unglaublich kurzer Zeit (seit Mai 2018) weltweit zahlreiche Firmen und deren Lizenzen für Produktion und Vertrieb von Cannabis auf. Laut Geschäftsbericht von Ende November 2018 belief sich die Summe der dafür bilanzierten Investments und Intangible Assets auf knapp 110 Mio CAD. Die Bilanzsumme betrug knapp 115 Mio CAD. Umsätze wurden nicht erzielt.

Im Board der ICC sitzen laut CSE (Canadian Securities Exchange) Eugene Beukman (CEO), Peter Nguyen (CFO) und Michael Martinz (President). Bei Market Screener werden noch als Directors aufgeführt: Kent E. Ausburn und Brendan Purdy (wie auch bei Bloomberg).

“Brendan Purdy is a practicing corporate lawyer in Toronto, Ontario focused on the mining sector” (Purdy Law).
“Eugene Beukman is a businessperson who has been at the helm of 15 different companies, et. al. President & Director at Beukman & Associates Enterprise Ltd.” (Market Screener).
Purdy und Beukman sind jeder für sich in einem Netz von Dutzenden von Firmen engagiert. Im Fall der ICC treffen sich ihre Wege, zusammen mit dem Hedge Fund “MM Asset Management Inc”, der als Shareholder beteiligt ist.

Neben der Aktie der ICC wurden zum Berichtszeitpunkt auch jene von Sproutly Canada (mit MM-Beteiligung) und High Hampton (Purdy-Involvement) beworben.

Die Aktie der ICC hat bereits einen bewegten Kurs hinter sich.

Aktienkurs WRLD-U:CNX, Quelle: TMX Money

Seit 10. Oktober 2018 verfiel der Kurs. Steht ein neuer Push bevor? Es sieht am 05.04.2019 ganz danach aus. Das war – nach Lage der Dinge vom Sept. 2019 – eine krasse Fehleinschätzung. Bereits am 12.04.2019 begannen die Kurse kontinuierlich zu fallen.

Zur Deutung künftiger Kursbewegungen, aber mindestens zur Verbesserung des Verständnisses, kann sicherlich ein Artikel der Financial Post “How a handful of hedge funds cornered cannabis financing — and made a killing in the process” beitragen. Auch wenn der Artikel sich mehr mit der Rolle von Hedge Funds beschäftigt, so wird doch deutlich, welches Spiel hinter den Kulissen gespielt wird und wie Anleger auf der Strecke bleiben müssen.

ICC und Wayland

Die Wayland Group hatte laut DGAP-News vom 20.12.2018 angekündigt, über eine Ausgliederung der internationalen Assets, zu denen eine Produktionsanlage in Ebersbach bei Dresden gehört, nachzudenken und die Cannaccord Genuity Corp. mit einem Prüfverfahren beauftragt.

Anfang 2019 publizierte True Research voreilig und die Aktie von Wayland in den höchsten Tönen auslobend, die Wayland Group Corp. habe mit der ICC einen Deal zum Verkauf von 49,9% des internationalen Asset-Portfolios abgeschlossen.

Am 15.01.2019 verlautbarte ICC (siehe SEADR): “ICC is pleased to announce that it has entered into a Letter of Intent, pursuant to which the companies will complete a Definitive Purchase Agreement on or before March 1, 2019, to acquire 49.9% of Wayland Group Corp.’s”. Am 11.03.2019 verlautete ICC (siehe SEDAR): “ICC is pleased to reaffirm that the Company and Wayland Group Corp. are diligently working towards completing a Definitive Purchase Agreement”. Dies wurde von Wayland bestätigt: “TORONTO, March 11, 2019 (GLOBE NEWSWIRE) –Wayland is pleased to announce it is near completion of its due diligence of International Cannabis Corp (ICC)”. Hier stellt sich die Frage, wer untersucht wen?

Der Ausgang des Due Diligence Prozesses war Anfang April 2019 noch offen.

Die Ebersbach Facility ist “ein Schlachthof des ehemaligen Wurstfabrikanten Hans Löblein. Sie war Europas modernste Anlage, die für rund 200 Millionen Mark Mitte der 90er-Jahre auf das 100.000 qm große Grundstück geklotzt wurde. Doch 2003 ging Löblein pleite” (Tag24, 14.09.2017). 2017 erwarb die Wayland Group Corp. (damals Maricann Group Inc.) die Anlage und beteiligte sich an Ausschreibungsverfahren zur Vergabe der Produktionslizenzen für Cannabis in Deutschland. 2018 erfolgte der Umbau, um in den Räumlichkeiten Cannabispflanzen anbauen zu können (Berichte aus Sächsische Zeitung und Dresdner Neueste Nachrichten).

Im April 2019 wurde das Ausschreibungsverfahren vorläufig entschieden. Nicht etwa Wayland und schon gar nicht ICC, sondern die Deutschland-Töchter der kanadischen Firmen Aphria und Aurora sowie das 2017 gegründete Berliner Unternehmen DEMECAN erhielten die vorläufigen Zuschläge für die insgesamt 13 Lose zum Anbau von medizinischem Cannabis. Die endgültige Bestätigung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erfolgt später (Handelsblatt, 04.04.2019).

DEMECAN bildete mit Wayland ein Joint Venture, über das keine vernünftigen Informationen zu finden sind. Die Informationen auf der Website der DEMECAN über das Unternehmen sind nichtssagend. Die DEMECAN ist Rechtsnachfolgerin einer Blitz B17-546 GmbH, deren Zweck die Verwaltung des eigenen Vermögens war und die wohl nur den Mantel bildete, in den am 14.06.2017 die DEMECAN GmbH schlüpfte. Deren Zweck: ” Die Teilnahme am Vergabeverfahren zu Anbau, Weiterverarbeitung, Lagerung, Verpackung und Lieferung von Cannabis für medizinische Zwecke gemäß der Bekanntmachung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Referenznummer 2281-1713) sowie nach erfolgreicher Teilnahme am Vergabeverfahren die Durchführung des Auftrages der Bundesrepublik Deutschland, v. d. das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), zu Anbau, Weiterverarbeitung, Lagerung, Verpackung und Lieferung von Cannabis für medizinische Zwecke in einer gesicherten Inhouse-Plantage in Deutschland.

Im Mai 2017 hatte sich Wayland (damals Maricann) über die Green Streaming Finance Company die Finanzierung des Kaufs des Schlachthofs in Ebersbach gesichert (SEDAR-Dokument Other material contracts – English, May 15 2017, 07:50:00 ET). In dem Dokument wird darauf hingewiesen, dass die deutsche Tochter Maricann GmbH beim BfArM einen Lizenzantrag gestellt hatte. Insoweit steht zu vermuten, dass die DEMECAN in dem nicht näher beschriebenen Joint Venture sechs Wochen später gegründet wurde, um am Vergabeverfahren vollumfänglich teilzunehmen.

Wie der gesamte Prozess zwischen den involvierten Firmen (Wayland, DEMECAN und ICC) ausgehen wird, steht in den Sternen. Solange der Due Diligence Prozess zwischen Wayland und ICC nicht zu einer Übernahme führt, spielen Wayland und DEMECAN – entegen allem Medienrummel – keine Rolle für die ICC.

Interessant bleibt, dass der Hedge Fund “MM Asset Management Inc” sowohl bei Wayland als auch bei ICC beteiligt ist und dass der Aktienkurs bei beiden Unternehmen exakt seit 02.04.2019 wieder zu steigen begann.

Zum Abschluss noch ein Auszug aus der o.g. Publikation der Financial Post:
On a basic level, it is understood that retail investor excitement over the cannabis industry has been crucial to the hedge funds’ success.
For the past several years, retail investors have been eager to snap up almost any cannabis-related security, providing a cushion of demand.
In some instances, that has allowed funds to cash out of their positions almost immediately following bought deal financings, leaving them to profit from “sweeteners” such as share purchase warrants, but with little skin left in the game in terms of the companies involved.
Another strategy involves using bought deals to close pre-existing short positions, in the hopes of taking advantage of the usually discounted price of shares being offered.”